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06.12.2001
SAMSTAG SIGNIERSTUNDE UND KURZ-LESUNG
Der ,,Gerch``, die älteste aktive Mundartglosse Bayerns




VON KERSTIN STARKE

Samstag für Samstag gibt es im Lokalteil des Hofer Anzeigers etwas zum Schmunzeln: die Geschichten des ,,Hofer Spaziergängers``, der von den Lesern liebevoll ,,Gerch`` genannt wird. Was nur die wenigsten wissen: Der erste ,,Spaziergänger`` erschien am 9. Oktober 1920, also vor über 80 Jahren, und damit ist dies die älteste noch aktive Mundart-Glosse in bayerischen Zeitungen. Der ,,Gerch`` wurde bis heute nur von zwei Autoren geschrieben, von Karl Röder und Gert Böhm. Letzterer machte den ,,Gerch`` durch seine Lesungen zur Musik der Gruppe ,,Dreyschlag`` über Hof hinaus in der ganzen Region - vom Frankenwald bis zum Fichtelgebirge - bekannt.

HOF - Eifriger Leser und noch eifrigere Leserin! Der Hofer Spaziergänger ist ein aufmerksam pürschendes Individuum, das auf Filzsohlen durch die Stadt geht und über 1000 Ohren, aber leider nur eine Zunge verfügt. Der Niederschlag seiner Beobachtungen, die vom überlaufenden Milchtopf bis zu den weisen Reden im Stadtparlament hinaufreichen, wird er an dieser Stelle, und zwar, wenn er die nötige Zeit erübrigt, allwöchentlich zum Besten geben. Nichts ist ihm zu klein, nichts zu groß, als daß er es nicht mit der ätzenden Lauge seiner Kritik übergießen wolle. Sein
,,Nichts ist ihm zu klein, nichts zu groß`` Karl Röder
Scharfblick ermöglicht es ihm, durch 9 Paar Hosen zu schauen, wenn Loch auf Loch geht. Und weil er ein Mann geruhsamen Lebens ist, darum kann er so vieles, worüber sich die Leute oft aufregen, nicht recht ernst nehmen.

Mit diesen Sätzen kündigte der Redakteur Karl Röder, der später Jahrzehnte lang Chefredakteur des Hofer Anzeigers war, den Lesern am 9. Oktober 1920 den ersten seiner ,,Hofer Spaziergänge`` an. Und bis in die sechziger Jahre schrieb Karl Röder - dann schon in Ruhestand - diese Glosse. Bis er zu krank dafür wurde.

Wie der ehemalige Oberbürgermeister der Stadt Hof, Hans Högn, im Vorwort zum zweiten ,,Spaziergänger``-Band von Karl Röder schreibt, war dieser ,,ein begabter Journalist, ebenso Politiker wie Feuilletonist, ein moralischer Zeuge seiner Zeit und ein Mann von hohem Mut. Seine Kommentare hatten den Mut, unbequem zu sein, wenn es um die Wahrheit ging. Er hat nie viel aus sich gemacht, kein Wesen, keine Umstände``. Am 8. April 1975 starb der Erfinder des ,,Hofer Spaziergänger`` im Alter von fast 85 Jahren in Hof.

,,Ich hab' den Karl Röder kurz vor seinem Tod noch kennengelernt``, erinnert sich sein Nachfolger, der heutige ,,Gerch``-Autor Gert Böhm. ,,Er war schon ein großer Mann in Hof - obwohl er eigentlich ein Bayreuther war.`` Und ein Bayreuther Brocken rutschte Röder, das merkt auch Högn in seinem Vorwort an, hie und da auch schon mal ins Hoferische.

Aber auch sein Nachfolger als ,,Spaziergänger`` Gert Böhm, der frühere Geschäftsführer der Frankenpost , ist kein gebürtiger Hofer. Böhm wurde 1940 in Wildstein bei Eger geboren. Nach dem Abitur in Hof machte er ab 1962 ein Volontariat bei der Frankenpost und war anschließend bis 1966 Redakteur. ,,Damals traf ich den damaligen Chefredakteur des Hofer Anzeigers , Harry Schimmel, auf der Straße, und er fragte mich, ob ich nicht künftig diese Geschichten übernehmen könnte``, erinnert sich Böhm. Der Fünfundzwanzigjährige wollte - obwohl ihn Schimmel auch gewarnt
,,Geschichten schon in Indien geschrieben`` Gert Böhm
hatte: Für die ersten paar Wochen wären sicher genug lustige Begebenheiten aufzutreiben, aber Samstag für Samstag...?

Nun, bis heute hat der ,,Gerch`` alias Gert Böhm seit 1966 rund 1700 samstägliche ,,Spaziergänge`` unternommen. Selbst, als er nicht mehr als Journalist arbeitete und viel auf Reisen in aller Welt unterwegs war - einen ,,Gerch`` lieferte er immer ab. ,,Wenn ich mehrere Monate zum Beispiel auf Manila oder in Indien lebte, hab' ich mich dort halt hingesetzt, und gleich fünf oder sechs Geschichten miteinander geschrieben und dann per Luftpost nach Hof geschickt.`` Einmal machte Gert Böhm sogar auch ,,Schluss`` mit den ,,Hofer Spaziergängen``. ,,Doch nach einem dreiviertel Jahr sagte meine Tochter, sie könne überhaupt nicht verstehen, warum ich keinen ,Gerch` mehr schreibe, und so hab' ich wieder damit angefangen.``

Apropos Anfang. Als gebürtiger Böhme, der zwar in Hof aufgewachsen war, hatte Gert Böhm das Hoferische, das den ,,Gerch`` ja zu einem großen Teil ausmacht, nicht mit der Muttermilch in sich aufgenommen. Dennoch versuchte er, sich von Anfang an akribisch daran zu halten.

,,Meine ersten ,Spaziergänge` hab' ich ganz genau in Mundart geschrieben - so wie die Wörter gesprochen wurden, hab' ich sie niedergeschrieben``, berichtet er. ,,Aus der Erfahrung von 35 Jahren ,Gerch` schreibe ich heute manche Laute bewusst falsch, damit die Wörter besser verstanden werden.`` Wo also ein ,,echter Hofer`` ein ,,b`` spricht, steht in der Glosse ein ,,p`` - weil, wie Böhm fürchtet, sonst keiner mehr weiß, was gemeint ist.

Und woher kommen nun alle die witzigen Einfälle, die das Salz in der ,,Gerch``-Suppe sind? Gert Böhm: ,,In ländlichen Gegenden wie unserer passieren die unglaublichsten Dinge. Menschen leben mit skurrilen Geschichten, ohne dass sie ihnen einen Wert beimessen. Doch gerade damit kann man die Leute zum Lachen bringen. Diese Geschichten geben den Menschen weitgehend etwas zurück, das ihnen im Alltag so oft verloren geht: das Lachen.`` Diese Ereignisse werden dem ,,Gerch`` zugetragen. Und auch wenn eine Begebenheit vielleicht nicht genug hergibt für einen ganzen ,,Gerch`` - dann werden eben mehrere Anekdoten in einer Geschichte verknüpft, den Hauptpersonen eine neue Identität gegeben und der Schauplatz ein Dorf weiter verlegt.

Besonders witzig sind natürlich die Bezüge zum aktuellen Leben in der heimischen Gegend. Oft glaubt man, in den Hauptakteuren ,,Hans, Gorch, Willi, Erna, Marie oder Fritz`` einen Bekannten wieder zu erkennen, was die Erzählungen nur noch witziger machen. Oder auch nicht. Gert Böhm kann auch von wütenden Anrufen Samstag morgens um halb acht Uhr berichten, als sich einer fälschlicher Weise wiedererkannt hatte - dabei war er doch gar nicht gemeint.

Die ,,Spaziergänge`` sind wach, schlagfertig, direkt und unverblümt, und die Hofer Mundart atmet, wenn sie auch manchmal im Milieu der derben Späße stecken bleibt, doch die Herbheit unserer Hofer Luft. Diese Beschreibung von Hans Högn gilt bis heute für den ,,Gerch``. Davon kann sich jeder überzeugen - spätestens am Samstag im Lokalteil oder live gleich in zwei Buchhandlungen in Naila und Hof.

Dreimal ist Gert Böhm mit seinen ,,Gerch``-Geschichten in den kommenden Tagen in der Region zu hören: Am Samstag, 8. Dezember, signiert er zunächst ab 11 Uhr seine Bücher in der Buchhandlung Mohr in Naila, Bahnhofstraße 1. Am gleichen Tag ab 14 Uhr ist er dann in der Buchhandlung Gondrom in der Hofer Altstadt zu Gast, und am Samstag, 15. Dezember, kommt Gert Böhm in die Buchhandlung Winterling in Rehau, Ludwigstraße 16. Bei drei allen Signierstunden wird Gert Böhm außerdem kleine Kostproben aus den ,,Gerch``-Büchern lesen. Die zwei Bände des ,,Hofer Spaziergängers`` von Karl Röder und die fünf von Gert Böhm gibt es auch direkt beim Hoermann-Verlag in Hof, Oberer Torplatz 1.



 
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