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26.10.2006
BETRIEBSAUFLÖSUNG IN JEHSEN Erbengemeinschaft verkaufte Hinterlassenschaften eines verstorbenen Bauern
Schnäppchenmarkt am Hof




VON HELMUT ENGEL

Nachdem der letzte Besitzer des Anwesens Jehsen Nummer 18 gestorben war, versuchte jetzt die Erbengemeinschaft den Maschinenbestand des Bauernhofs im Bietverfahren zu verkaufen. Etwa 100 Bauern, Sammler oder Liebhaber waren zu der Verkaufsaktion gekommen.

JEHSEN – Unter der Rubrik „Landwirtschaft/Angebote“ stand im Anzeigenteil unserer Zeitung diese ganz unspektakuläre Anzeige: „Betriebsauflösung wegen Aufgabe des landwirtschaftlichen Betriebes Verkauf sämtlicher Maschinen wie Schlepper, Mähdrescher, Hochdruckpresse, Kipper, Stalldung-streuer usw.“ Etwa hundert Interessierte, meist Bauern aus der näheren Umgebung, aber auch Liebhaber und Sammler alter landwirtschaftlicher Geräte waren gekommen, um vielleicht ein Schnäppchen zu ergattern, um den eigenen Gerätepark zu erweitern oder eigene Geräte zu ersetzen.

Nachdem der letzte Inhaber des Hofs, Richard Schaller, im vergangenen Jahr verstorben war und keinen Nachfolger hatte, der den Hof hätte weiter bewirtschaften können, fiel das Erbe an eine Erbengemeinschaft mit neun Personen, sechs Geschwister oder deren Nachkommen. Die Felder verpachteten sie und aus den landwirtschaftlichen Geräten suchten sich diejenigen Erben, die selbst noch Bauernhöfe bewirtschaften, Geräte aus, für die sie Verwendung hatten und zahlten den Schätzpreis auf ein gemeinsames Konto der Erbengemeinschaft. Der restliche Maschinenbestand wurde nun am vergangenen Samstag verkauft. Nicht mit diesem großen Ansturm Interessierter gerechnet hatte die Erbin Christa Schaller aus Hildbrandsgrün.

Die Interessierten konnten sich aus ausgelegten Bestandslisten informieren, wo alle wichtigen Angaben zum Gerät eingetragen waren. Auf Angebotszetteln gaben die Bieter ihr Angebot schriftlich ab. Als Richtpreis war der Schätzpreis auf der Bestandsliste angegeben.

Gleich mehrere Dinge im Auge hatte Reinhard Renner aus Meierhof. Nur bei den Preisen hat er Abstriche von den Schätzpreisen gemacht. Meist hat sich Renner aber für Dinge interessiert, die gar nicht auf den Listen eingetragen waren.

Ronald Seiferth aus Reuthlas ist kein Bauer und auch kein Sammler. Er hat eine kleine Waldwirtschaft und deshalb hatte er ein Auge auf einen Frontlader geworfen, „damit ich nicht mehr mit Auto und Anhänger in den Wald muss“. Weil er mit seinem Angebot unter dem Schätzpreis lag, glaubte er auch nicht daran, dass er den Zuschlag bekommen würde. „Die Dinger sind gefragt, da werden Liebhaberpreise gezahlt.“

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Walze für zehn Euro

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Für den gleichen Geräteträger haben sich auch Tina und Lothar Ulsamer, Landwirte und Schäfer aus Bug, interessiert. Sie haben dann doch darauf verzichtet, ein Angebot abzugeben, weil das Mähwerk defekt war. „Uns kam es gerade darauf an, ohne Mähwerk ist er uns zu teuer“, so Tina Ulsamer. Einen Kipper hatte sich Siegfried Bußler aus Baiergrün ausgeschaut. „Der ist irgendwie verzogen, wahrscheinlich wurde er einmal umgeworfen“, so der Baiergrüner, der auch nicht sicher war, ob die Auflaufbremse funktioniert. Aufgelistet ist der Kipper mit 2000 Euro, er selbst hat 1500 geboten und hat ihn bekommen. „Ich habe überhaupt nicht damit gerechnet“, so Bußler, der sich seinen neu erworbenen Kipper nochmals genau anschaut und feststellt, „da muss ich noch einiges reinstecken“.

Mit genauen Vorstellungen kam Heinrich Schlegel aus Schödlas. Er ist mit einem Erben gut bekannt und hat sich schon in der Woche zuvor den Maschinenbestand angeschaut. Heim ging er als neuer Besitzer eines MB-Traktors. Beim Angebot hatte er schon einige Abstriche vom Schätzpreis gemacht, dafür hatte er für die Sternwalze aus dem Jahr 1950 mehr als die geschätzten zehn Euro geboten und durfte diese als Zugabe auch noch mitnehmen.

Für die Sternwalze zeigte auch der Unfriedsdorfer Sammler Christian Baier Interesse, der auch noch eine alte Scheibenegge und eine Transmissionswelle gefunden hatte, die nicht in der Liste aufgeführt waren.

Geleitet wurde der Verkauf von Roland Mörtl von der Raiffeisenbank Gefrees, der sich als Erbe eingekauft hatte. Er hat einem Erben einen Betrag ausgezahlt und hat so dessen Stelle als Erbe angetreten. Und Christa Schaller war froh, dass sie damit einen Profi unter den Erben hatten: „Wir alleine hätten uns viel schwerer getan.“

Mörtl machte nach Abgabe aller Angebote nochmals darauf aufmerksam, dass es sich bei dem Verkauf weder um eine Auktion noch um eine Versteigerung handelt, „dazu sind wir rechtlich gar nicht befugt“. Die Erbengemeinschaft hatte sich auch vorbehalten, Angebote, die ihnen als zu niedrig erschienen, abzulehnen.

Dies taten sie dann auch bei mehr als der Hälfte der Geräte und deshalb wird man sich am kommenden Samstag um 10 Uhr nochmals in Jehsen 18 einfinden und versuchen, die restlichen Geräte zu verkaufen.

Roland Mörtl (sitzend) von der Raiffeisenbank Gefrees leitete die Verkaufsaktion im Bietverfahren.

 
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